Die Moralhelden von Correctiv

Correctiv ist ein Verbund von Journalisten, die ihre Geschichten (‘langfristig zu Themen, die andere Medien zu wenig beachten’, so die Eigendarstellung) online veröffentlichen. Dieses Verbund sieht sich als Ritter der journalistischen Reinheit, also als Kämpfer für das Gute und Wahre.

Sorry für den Anflug von Sarkasmus, aber die Eigendarstellung ist noch schlimmer. Correctiv hat einen Ethikrat, dessen Mitglieder darauf achten, “dass CORRECTIV den hohen ethischen Grundsätzen aufklärerischen Journalismus als wichtigen Beitrag für die demokratische Kultur genügt”.

Ganz ohne Zuckerguss: correctiv macht in der Tat viele gute Geschichten, und David Schraven, den Geschäftsführer, habe ich als klugen und angenehmen Gesprächspartner kennengelernt (ich hoffe, es schadet ihm nicht, wenn ich das sage). Aber in der Regel macht Correctiv Themen, bei denen ich mich nicht wirklich auskenne.

Etwas Wirbel verursachte der Verbund, als bekannt wurde, dass sie für Facebook “fake news” bekämpfen sollen – was konsequent ist, weil sie ja DIE GUTEN© sind. Ein guter Teil des Heiligenscheins ist verloren gegangen, als correctiv vor kurzem veröffentlichte, dass eine AfD-Kandidaten wohl mal mit Sex Geld verdient hat. Nun haben viele Medien und Journalisten ja ein Problem damit, die normalen journalistischen Maßstäbe anzulegen, wenn es um die AfD geht – weil das ja eine Frage der Haltung ist und da anscheinend alle Mittel erlaubt sind. (Ich habe keinerlei Sympathien für die AfD; die latende Fremdenfeindlichkeit ist mir zuwider und Sozialismus halte ich für ein Verbrechen, egal on National oder International – aber ich finde trotzdem nicht, dass das jedes Mittel rechtfertigt. Ein schönes Beispiel dazu ist selbst Stefan Niggemeier gegen den Strich gegangen).

Mit ist dieser Tage allerdings etwas anders unangenehm aufgestoßen. Wir erinnern uns: Correctiv steht für heiligen, reinen, wahren Journalismus, so sehr, dass sie auswählt wurden, fake news zu bekämpfen.

Nun, vor einigen Tagen hatte eine Gruppe von Aktivisten ein Profil eines angeblichen CDU-Mitgliedes angelegt, die angeblich eine Petition gegen Waffenexporte verfasst hatte. Über dieses Fake-Profil sind einige Medien gestolpert, auch auf die Metaebene – also dem Bericht über die Fakeaktion – hat es die Aktion geschafft.

Nun kann man diese Aktion toll finden oder auch nicht, es ist aber eine gefälschte Nachricht. Den Metabericht – in diesem Fall in der taz, die natürlich mit dem treffenden Unterton berichtete – hat correctiv auf twitter verbreitet.

Mag sein, dass ich das überbewerte, aber: Die Organisation, die (sich selber) zur Speerspitze im Kampf gegen Fake News auserkoren hat, verbreitet genüßlich – fake news. Oder? Das legt dann doch den Verdacht nahe, dass fake news nur dann bekämpft gehören, wenn sie von den “Falschen” kommt. Die GUTEN© dürfen das anscheinend.

Oder ich habe es völlig falsch verstanden. Kann sein. Bin ja auch keiner von den GUTEN.

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